Der Beruf Physiotherapeut: Alles, was Du über die Ausbildung in Deutschland und das Berufsfeld wissen musst

Lesedauer: 4:30 Minuten
Die Physiotherapeut Ausbildung in Deutschland

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Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt und der Beruf Physiotherapeut ist gefragt wie noch nie. Bereits vor dem Abschluss haben die meisten PhysiotherapeutInnen einen sicher zugesagten Arbeitsplatz. Aber was genau macht ein/e PhysiotherapeutIn überhaupt? Wie sieht die Physiotherapie Ausbildung in Deutschland aus und welche beruflichen Perspektiven ergeben sich im Anschluss? Diese Fragen fasse ich Dir kurz und knapp in diesem Artikel zusammen, um Dir den Einstieg in Deinen Traumberuf zu erleichtern.

Was macht eigentlich ein Physiotherapeut und welche Tätigkeiten erwarten Dich nach der Ausbildung?

Als PhysiotherapeutIn hilfst Du Deinen PatientInnen, ihre Beweglichkeit zu optimieren.

Diese kann altersbedingt oder nach einer Verletzung eingeschränkt sein. PhysiotherapeutInnen wurden früher auch “Krankengymnasten“ genannt. Sie behandeln nur auf ärztliche Anordnung. Das bedeutet, dass Deine PatientInnen vor ihrer ersten Behandlung unbedingt eine Verordnung zur Physiotherapie von einem Arzt oder einer Ärztin bzw. einer/m HeilpraktikerIn besorgen müssen. Bei Verordnungen durch HeilpraktikerInnen gilt, dass die Leistungen nicht zur Abrechnung bei gesetzlichen Krankenversicherungen eingereicht werden können und daher privat zu zahlen sind.

Die Tätigkeiten einer/s PhysiotherapeutIn können aber auch vorbeugend eingesetzt werden. So können PatientInnen zB Geburtsvorbereitung, Rückenschule oder Wirbelsäulengymnastik auf eigene Verantwortung in Anspruch nehmen. Ziel ist es außerdem, Deine PatientInnen aufzuklären und ihnen Auskunft über unterschiedliche Behandlungsmethoden und ihre Wirkungsweisen zu geben. Du berätst sie und gibst ihnen Tipps und Ratschläge, wie sie ihre körperliche Aktivität und Beweglichkeit auch ohne Dein Zutun weiter verbessern können.

Welche Voraussetzungen gibt es, wenn Du PhysiotherapeutIn werden möchtest?

Als angehende PhysiotherapeutIn solltest Du gegenüber Sport nicht abgeneigt sein oder zumindest in einer guten körperlichen Verfassung sein. Interesse an Medizin – genauer Anatomie –  ist sehr wichtig, da die Ausbildung auch aus einem theoretischen Teil besteht, der an staatlich zugelassenen Schulen stattfindet. Nicht zu vergessen, die wohl wichtigste Eigenschaft von PhysiotherapeutInnen:

Du solltest keine Scheu vor Menschen haben und auch ‘mal anpacken können, um Ihnen zu helfen.

Ein mittlerer Schulabschluss ist Grundvoraussetzung für eine Physiotherapie Ausbildung. Häufig werden aber BewerberInnen mit Abitur bevorzugt. Zudem musst Du ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, das Deine persönliche Fitness, Deine Allgemeinbildung und Deine motorischen Fähigkeiten prüft. Viele Ausbildungsstätten verlangen darüber hinaus auch ein dreiwöchiges Physio- und Pflegepraktikum. Dabei sollst Du die Tätigkeiten und Arbeitszeiten des Berufs kennenlernen und herausfinden, worauf genau Du Dich einlässt.

Der Entschluss steht: Wie wirst Du nun PhysiotherapeutIn?

Grundsätzlich musst Du in Deutschland eine Ausbildung absolvieren, um PhysiotherapeutIn zu werden. Es gibt hierzulande über 250 staatliche und private Schulen, die diese Ausbildung anbieten.

Eine Alternative zur Physiotherapie Ausbildung ist ein Studium. Alle Infos zum Aufbau und Ablauf eines Physiotherapie Studiums in Deutschland findest Du in Kürze ebenfalls auf diesem Blog.

Was lernst Du während der Physiotherapie Ausbildung?

Die Physiotherapie Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und ist in 1.600 praktische und 2.900 theoretische Ausbildungsstunden gegliedert. Die Verteilung der Unterrichtsstunden weicht von Bundesland zu Bundesland und von Schule zu Schule etwas ab. Die Fächer bleiben aber im großen und Ganzen dieselben.

Das erste Ausbildungsjahr findet an der Berufsschule statt. Dabei liegt der Fokus auf physiotherapeutischen Behandlungstechniken, Anatomie, Physiologie und physikalischen Therapie.

Das zweite und dritte Ausbildungsjahr teilt sich in ca. 8 Wochen lange Blockveranstaltungen. Im Theorie Unterricht werden Themen wie physiotherapeutische Anwendungen und Krankheitslehre vermittelt. Daneben lernst Du während Deiner praktischen Ausbildung medizinische Fachbereiche wie die Neurologie, Unfallchirurgie oder Orthopädie kennen.

Du betreust eigenständig PatientInnen und wendest Dein theoretisches Wissen über die physiotherapeutischen Behandlungstechniken an. Krankengymnastik, Elektrotherapie und Massage kannst Du im Beisein Deiner/s AusbilderIn anwenden. Die praktischen Ausbildungsblöcke finden an unterschiedlichen Instituten statt. Darunter fallen ausgewählte Praxen, Reha-Zentren und Kliniken.

Was kostet die Physiotherapie Ausbildung und wo bekommst Du finanzielle Unterstützung?

Im Grunde kann man zwischen staatlichen bzw. öffentlichen Schulen und privaten Schulen unterscheiden. Erstere sind kostenfrei. Lediglich die Lehrmaterialien müssen von Dir selbst finanziert werden.

Private Schulen verlangen dagegen im Durchschnitt 250 € monatliches Schulgeld. Über drei Jahre Ausbildung summiert sich das auf einen Betrag von rund 10.000 €. Das schreckt viele von einer Ausbildung ab.

Um den Beruf des Physiotherapeuten attraktiver zu machen, wurden die Schulgelder in 14 von 16 Bundesländern bereits komplett gestrichen oder Förderungsprogramme eingeführt, die die Auszubildenden bei ihren Zahlungen unterstützen. Der deutsche Verband für Physiotherapie hat die jeweiligen Regelungen pro Bundesland zusammengefasst.

Zusätzlich kannst Du während der Physiotherapie Ausbildung ein Schüler-BAföG bei der Stadt- bzw. Kreisverwaltung beantragen. Aber Vorsicht: Das Recht auf diese Förderung haben nicht alle. Folgende Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein: Du bist auswärts – also nicht bei Deinen Eltern – untergebracht, weil

  • Deine Ausbildungsstätte wegen der großen Entfernung sonst nicht erreichbar ist.
  • Du einen eigenen Haushalt führst, also verheiratet oder in einer eingetragener Lebenspartnerschaft bist.
  • Du einen eigenen Haushalt mit mindestens einem Kind hast.

Gehalt und Perspektiven als PhysiotherapeutIn

Während der Ausbildung kannst Du mit einem Gehalt zwischen 1.015 € und 1.172 € brutto rechnen. Auch nach der Ausbildung bleibt der Lohn recht überschaubar.

Im Durchschnitt verdienen EinsteigerInnen ein Bruttogehalt von knapp über 2.000 €.

Bei tariflich geregelten Gehältern steigt Dein Lohn im Laufe der Zeit automatisch an. Außerdem kannst Du mit Fort- und Weiterbildungen zu höheren Entgeltstufen aufsteigen und somit mehr Geld verdienen.

Die Tätigkeitsfelder als PhysiotherapeutIn sind breit gefächert. Du kannst in Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Facharztpraxen aber auch Altenheimen und Fitnessstudios arbeiten.

Es steht Dir außerdem frei, Dich selbstständig zu machen und eine eigene Praxis zu gründen. Zum Thema Selbstständigkeit als PhysiotherapeutIn empfehle ich Dir unseren Podcast. Hier erzählen zwei erfahrene Physiotherapeuten von ihren Erfahrungen mit der Selbstständigkeit.

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Quellen

  1. Döpfer Schulen Regensburg – Physiotherapie
  2. physiotherapie.net – Der Navigator für Deine Ausbildung
  3. Lehrplan für die Berufsfachschule für Physiotherapie
  4. Ausbildung zum Physiotherapeut/in
  5. Physiotherapie: Ausbildung und Studium heute
  6. Medi-Karriere – Physiotherapeut/in Gehalt
  7. ANGELL Akademie Freiburg – Inhalte der Physiotherapie-Ausbildung

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