Als TherapeutIn richtig schreiben: Tipps, Struktur und Leichtigkeit im Praxisalltag

Schreiben gehört zum Praxisalltag – von Klientenunterlagen bis zur Website. Hier erfährst Du, wie Du Texte leichter verfasst, Deine Zielgruppe erreichst und dabei authentisch bleibst.

Schreiben ist ein sehr spezielles Werkzeug. Auf den ersten Blick scheint es so alltäglich wie Zähneputzen: Wir verfassen E-Mails, kritzeln Notizen, tippen Nachrichten in unser Smartphone. Andererseits ist es ein Medium, das uns immer wieder Respekt einflößt. Denn sobald es „offiziell“ wird – ein Text für die Praxis-Website oder ein Handout für PatientInnen – ist sie da: Die Angst vor dem weißen Blatt. Wir fühlen uns unter Druck, eine Pulitzer-Preis-verdächtige Leistung abzuliefern. Dies führt dann meist zwangsläufig dazu, dass sich der eigene Kopf wie eine von Ideen verlassene Westernstadt anfühlt, durch die Heuballen wehen.

Und doch: Genau in diesem Spannungsfeld liegt eine große Chance. Schreiben ist mehr als Informationsweitergabe. Es ist Beziehungsgestaltung auf Papier (oder Bildschirm). Es macht Deine Haltung sichtbar, zeigt, wie Du denkst und wofür Du stehst, und macht Dich nahbar. Gerade als TherapeutIn ist das ein unschätzbarer Teil deiner Arbeit – ob im direkten Kontakt mit KlientInnen oder im Außenauftritt deiner Praxis.

Warum Schreiben für TherapeutInnen wichtig ist

Gute Texte erhöhen Deine Sichtbarkeit und können Dein Marketing nach vorne bringen – sei es für Deine Website, den Blog oder Deine Social Media Beiträge. Auch in der Kommunikation mit Deinen PatientInnen kannst Du durch gut geschriebene Infos, Handbücher oder Übungen Pluspunkte sammeln und gleichzeitig einen praktischen Mehrwert liefern. Ein weiterer Bereich des Schreibens im Praxisalltag sind die Dokumentation und die schriftliche Abhandlung von Formalitäten. Ob Du Berichte und Gutachten verfasst oder eine Korrespondenz mit den Krankenkassen führst.

Klar, verständlich und dennoch detailreich zu schreiben, ist eine unterschätzte Kunst, die vor allem in Situationen, in denen nachträglich Fragen oder Unstimmigkeiten auftauchen, nützlich sein kann.

Die häufigsten Schreibanlässe im Praxisalltag

  • Praxis-Website – ein persönlicher Text, der Deine Kompetenz und Leidenschaft zeigt, im „Über mich“-Bereich ist oft schon die halbe Miete.
  • Klientenunterlagen – gut verständliche Handouts oder Übungsblätter sind nicht nur praktische Begleiter, sondern können auch deine therapeutische Haltung transportieren.
  • Newsletter / Social Media – kleine Texte mit Mehrwert, die regelmäßig Einblicke in Deine Arbeit geben, schaffen Nähe und halten den Kontakt zu (potenziellen) PatientInnen.
  • Berichte für Kassen/Ämter – hier gilt: auf den Punkt, klar und sachlich formuliert – und trotzdem so, dass dein Fachwissen und Deine Professionalität spürbar werden.
  • Fachliche Texte (Vorträge, Artikel) – ob im Kollegenkreis oder in Fachzeitschriften: solche Texte stärken Deine Position als ExpertIn und machen Deinen Blick auf die fachlichen Dinge sichtbar.

Typische Hürden beim Schreiben

Wir hatten sie bereits zu Beginn: die Angst vor dem weißen Blatt. Eine leere Word-Seite scheint Ideen und die Fähigkeit, Sätze zu formen, so sehr abzuschrecken wie Wasser Katzen. Ein anderer Faktor, der in Deinem Praxisalltag sicherlich auch eine große Rolle spielt, ist Zeit. Zwischen Behandlungsterminen, Buchhaltung, Fortbildungen und dem üblichen E-Mail-Wahnsinn eine Stunde Zeit zu finden, um sich in Ruhe einem Text zu widmen, scheint oftmals unmöglich.

Auch die Angst, Fehler zu machen, oder ein perfektionistischer Anspruch an sich selbst, stehen einem beim Schreiben oftmals im Weg. Zudem verfallen wir bei „offiziellen“ Texten oftmals in den Modus, besonders eloquent schreiben und alle Fachausdrücke unter der Sonne verwenden zu wollen. Texte wirken so oft unnatürlich und weit weg von alltäglicher Sprache. Hier einen guten Mittelweg zu finden, ist ein Balanceakt, der auch schnell zur Hürde wird. Last but not least: die Schreibblockade. Die beste Freundin des weißen Blattes kann uns allerdings auch auf ein endlos erscheinendes Coffee-Date treffen, wenn wir uns gerade mitten im Text befinden.

Doch keine Bange: Wir haben in unserem Erste-Hilfe-Koffer die passenden Hausmittelchen gegen Textblasen, Satzbrüche und Wortnot!

Erste Hilfe: Tipps für leichteres Schreiben

Klare Zielgruppe definieren

Egal, welchen Text Du schreibst: Entscheidend ist, für wen er gedacht ist. Sprichst Du Kinder oder SeniorInnen an, neue oder langjährige PatientInnen, FachkollegInnen oder Laien? Notiere dir ein paar Stichworte zu deiner Zielgruppe – sie geben dir beim Schreiben einen klaren Rahmen und helfen dir, den richtigen Ton zu treffen.

Schreibe so, wie Du sprechen würdest

Wenn sich das Formulieren mal wieder wie ein 400-Meter-Hürdenlauf anfühlt, stell dir vor, jemand fragt dich einfach etwas zu dem Thema, über das Du schreiben möchtest. Schnapp Dir Dein Smartphone, starte die Aufnahmefunktion und sprich frei drauflos. Hör Dir anschließend die Aufnahme an, tippe die passenden Stellen ab und feile nur noch ein wenig daran.

Besser unperfekt als ungeschrieben

Ein weiterer Tipp: Wenn heute alles holprig läuft, denk an Bestsellerautorin Jodi Picoult:

„You can always edit a bad page. You can’t edit a blank page.“

Schreib trotzdem – nachbessern oder neu anfangen kannst Du immer noch. Schon das Üben in solchen Phasen stärkt dein Schreiben, hilft, Perfektionismus abzulegen, und zeigt Dir, wie Du Texte überarbeitest.

Auf Umwegen zur Hauptstraße

Erinnerst du dich an die Westernstadt-Metapher vom Beginn? Damit dort Leben einkehrt, braucht es manchmal einen kleinen Umweg. Wenn Dir auf der Hauptstraße niemand entgegenkommt, dann geh in den Saloon: Schreib ein paar Sätze über Deine letzte Italienreise oder etwas völlig anderes. So kommst Du in den Schreibfluss, und der bringt oft auch die richtigen Ideen zurück. Hilfreich ist auch ein kurzes Brainstorming: Notiere alle Stichworte, die Dir einfallen. Daraus entsteht nicht selten ein roter Faden – und der Weg zum fertigen Text wird gleich viel kürzer.

Schreibroutinen entwickeln

Jeder und jede schreibt anders. Die einen setzen sich hin und schreiben am liebsten am Stück zehn Seiten, die anderen schreiben lieber 30 Minuten am Tag, egal wie viel Output am Ende dabei herauskommt. Versuche, Deine persönliche Schreibroutine zu finden. Dienstagnachmittag ist bei Dir immer weniger los? Dann plane hier fix eine Stunde ein, in der Du Dich allem widmest, das aktuell Schreibarbeit erfordert, und probiere, ob das gut für Dich funktioniert.

Nutze den Hemingway-Effekt

Der berühmte Schriftsteller Ernest Hemingway hatte einen Schreibtrick, der Dir vielleicht auch hilft: Hör auf, wenn’s am schönsten ist. Wenn Du gerade richtig schön im Schreibfluss bist und Dir schon jede Menge Stichworte für den weiteren Text gemacht hast, dann hör auf. So kommst Du am nächsten Tag wieder viel schneller in den Schreibfluss und kannst dies auch gleich für andere To-dos nutzen.

Strukturhilfe: So baust Du Deine Texte auf

Texte brauchen manchmal nichts weiter als ein klares Gerüst, um Halt zu finden – wie ein Haus, das erst durch seine tragenden Balken gestützt wird. Die einfachste Form ist die klassische Struktur: Einleitung – Hauptteil – Schluss. Klingt simpel, funktioniert aber fast immer.

Wenn Du magst, darfst Du Deine Texte auch lebendiger kleiden, indem Du kleine Storytelling-Elemente einbaust. Eine kurze Anekdote, ein Bild aus deinem Alltag oder eine Frage an die LeserInnen können Wunder wirken, um Nähe und Aufmerksamkeit zu schaffen. Näheres dazu findest Du übrigens auch in unserem Magazin hashtagPRAXIS.

Und falls es sich um einen Text für Deine Website oder Social Media handelt, vergiss den letzten Baustein nicht: eine kleine Einladung zum Handeln. Das kann so simpel sein wie „Vereinbare einen Termin“ oder „Schreib mir deine Gedanken dazu“. Dein Text bekommt dadurch einen runden Abschluss – und Deine LeserInnen wissen, was sie als Nächstes tun können.

Schreibstil für TherapeutInnen: ein Balanceakt

Texte im therapeutischen Kontext bewegen sich oft auf einem schmalen Grat. Sie sollen empathisch sein, damit sich die LeserInnen verstanden fühlen, und gleichzeitig klar und verständlich bleiben. Natürlich darfst Du Dein Fachwissen zeigen – es macht Deine Kompetenz sichtbar. Doch achte darauf, nicht zu überfrachten. Ein Text, der in Fachjargon ertrinkt, wirkt schnell distanziert. Der Schlüssel liegt in der Tonalität: nahbar und professionell zugleich. So spüren Deine PatientInnen, dass Du sie ernst nimmst und ihnen gleichzeitig auf Augenhöhe begegnest.

Tools als Hilfe

Eine der größten Hilfen beim Überwinden von Schreibhürden ist die K.I. Mit Tools wie ChatGPT oder Perplexity kannst Du Dir beispielsweise Texte strukturieren oder einen Einstiegstext verfassen lassen, um das angsteinflößende weiße Blatt zu überwinden. Dabei sollten Deine eigene Stimme und Deine Art zu schreiben immer sichtbar bleiben. Du kannst Dir auch bequem Texte kürzen oder holprige Satzstellungen korrigieren lassen. Bei der Grammatik und Rechtschreibung gibt es auch bereits nützliche Tools wie Scribbr oder QuillBot. Auch Textvorlagen und -bausteine, die Du oft in Deinem Praxisalltag benötigst, wie E-Mail-Vorlagen, können Dir Zeit und Mühe sparen.

Selbstfürsorge und Schreibfreundlichkeit

Nach den ganzen Schreib-Tricks und -Tools hier noch ein persönlicher Tipp: Nimm den Druck raus und versuche, das Schreiben nicht nur als eine Pflicht, sondern auch als eine kreative Ressource zu sehen.

Vielleicht kommst du ja auch im privaten Kontext auf den Geschmack, deine Gedanken niederzuschreiben und so ab und an „das Hirn auszulüften“. Das kann im stressigen Praxisalltag für Ausgleich sorgen und dir gleichzeitig helfen, auch beim Schreiben im beruflichen Kontext sicherer zu werden.

Schreiben ist ein wunderbares Werkzeug, das Deine Praxis, die Kommunikation, das Marketing, aber vor allem auch Dich persönlich stärken kann. Und: Es ist erlernbar. Gib Dir einfach Zeit, nutze die Tricks, die für Dich am besten funktionieren, und lass der Feder ihren Lauf. Zum Abschluss noch eine Schreibempfehlung von Joseph Pulitzer selbst:

„Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“

Mit diesen Bausteinen wird Dein Text am Ende sogar doch noch Pulitzer-Preis-verdächtig.

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AutorIn Info

AutorIn: Angela Sirch

Angela Sirch

Editor in Chief, appointmed GmbH

Mit rund zehn Jahren Berufspraxis im Verlagswesen liegt Angelas große Leidenschaft im Recherchieren und Schreiben. Mit ihrer Erfahrung bei der Erstellung von Magazinen im B2B- und B2C-Bereich unterstützt sie appointmed in Sachen Blog und beim Aufbau eines völlig neuen Projekts. Stay tuned!