Supervision: Definition & Ablauf

Supervision unterstützt Einzelpersonen und Teams dabei, berufliche Herausforderungen zu reflektieren, Konflikte zu lösen und die Zusammenarbeit zu verbessern. Doch was genau versteht man unter Supervision, wann wird sie eingesetzt und wie läuft sie konkret ab? Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick.

Das Wichtigste in 4 Stichpunkten

  1. SupervisorInnen sind externe BeraterInnen, ggf. mit entsprechender Ausbildung, die bei unterschiedlichen beruflichen Themen und Herausforderungen eingesetzt werden
  2. Es gibt Supervisionen für Einzelpersonen und Gruppen.
  3. Ziele sind u. a. die Lösung von Konflikten, die Verbesserung der Zusammenarbeit und Arbeitsqualität sowie der bessere Umgang mit Belastungen im Beruf
  4. Supervision, Coaching und Mediation werden oft synonym verwendet, sind aber nicht ganz dasselbe. Besonders Coaching und Supervision sind sich jedoch sehr nah.

Das bedeutet Supervision

Bei einer Supervision unterstützt ein Berater oder eine Beraterin Menschen bei beruflichen Themen unterschiedlichster Art. Diese BeraterInnen sind unternehmensextern. Oft, aber nicht immer, handelt es sich um PsychologInnen oder Personen mit einer Supervisionsausbildung bzw. -weiterbildung.

Ursprünglich kam diese Beratungsform hauptsächlich in Bereichen zum Einsatz, die mental und menschlich besonders herausfordernd sind: Medizin, Pädagogik, Sozialarbeit, LSB (Lebens- und Sozialberatung) etc. Mittlerweile wird sie aber in viel weitergesteckten Bereichen angewendet, zB in Führungspositionen, im Management oder in der Politik. Dann ist sprachlich aber oft eher von Coaching die Rede und nicht von Supervision.

Ob eine gesonderte Ausbildung oder Weiterbildung benötigt wird, hängt von der Zielgruppe bzw. von deren Beruf ab. Möchtest Du beispielsweise Supervisionen bei PsychologInnen machen, brauchst Du eine Supervisionsausbildung. Möchtest Du sie hingegen bei BeraterInnen machen, brauchst du keine Weiterbildung. Du solltest lediglich vom Fach sein, also z. B. ein Unternehmensberater oder -beraterin sein.

ℹ️ Übrigens: Der Begriff Supervision stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Von-oben-Betrachtung“.

Wann wird eine Supervision eingesetzt?

SupervisorInnen werden in unterschiedlichen Themenbereichen eingesetzt. Oft werden sie benötigt, wenn Konflikte oder Missverständnisse entstanden sind. Sie helfen schlussendlich bei der Entwicklung von Problemlösungen.

Bei folgenden Themen können ein Supervisor oder eine Supervisorin eingesetzt werden:

  • Konfliktlösung: Bei Konflikten zwischen MitarbeiterInnen, zwischen MitarbeiterInnen und ChefInnen oder zwischen MitarbeiterInnen und KundInnen.
  • Änderung der eigenen Rolle: Wenn sich MitarbeiterInnen weiterentwickeln oder eine andere Rolle im Unternehmen übernehmen möchten.
  • Änderung des Teams: Ob neuer Chef bzw. neue Chefin oder neue TeammitgliederInnen: Ein Supervisor bzw. eine Supervisorin kann diese Änderung beratend begleiten.
  • Änderungen im Unternehmen: Zum Beispiel bei Übernahmen oder Umstrukturierungen.

Sie unterstützen also in schwierigen Situationen aller Art des Berufsalltags. Sie klären Fragen und unterstützen dabei, Ziele und Rollen zu gestalten.

⚠️ Wichtig: Als SupervisorIn begleitest Du diese Prozesse mit unterschiedlichen Methoden, gibst Denkanstöße und übernimmst die Beratung. Du bist jedoch nicht dafür zuständig, Lösungen zu präsentieren oder Handlungen zu empfehlen.

Welche Ziele verfolgen Supervision & Coaching?

Die angestrebten Ziele sind abhängig von dem jeweiligen Anlass. Meist werden jedoch folgende Ziele verfolgt:

  • Verbesserung des Arbeitsklimas
  • Bessere Zusammenarbeit des Teams
  • Verbesserte Kommunikation
  • Höhere Arbeitsqualität
  • Lösung von Konflikten bzw. Vermeidung potenzieller kommender Konflikte
  • Stärkung des Teamgefühls
  • Besserer Umgang mit Belastungen im Beruf
  • Entwicklung von Problemlösungen, auch für kommende Situationen
  • Reflexion stärken

ℹ️ Übrigens: Eine Supervision kann sowohl anlassbezogen als auch dauerhaft eingesetzt werden. Somit dient sie entweder der konkreten Problemlösung oder aber der Vorbeugung möglicher Missverständnisse oder Konflikte.

Welche Formen von Supervision gibt es?

Neben der anlassbezogenen und der regelmäßigen Supervision wird zwischen folgenden Formen unterschieden:

  • Teamsupervision: Bei Konflikten, Veränderungen im Team (strukturell und personell), als Hilfe bei der Zielerreichung (was braucht das Team dafür?) und bei der Entwicklung von Strukturen oder Konzepten, als Unterstützung beim Umgang mit Druck und Regeln von außen
  • Einzelsupervision: Ähnelt dem Coaching und richtet sich an eine einzelne Person. Zum Beispiel bei psychischen Belastungen, zur Burnout-Prävention, zum Umgang mit Stress, bei beruflicher Neuorientierung (auch für Führungskräfte), zur Work-Life-Balance
  • Gruppensupervision: Eine Gruppe von Menschen aus einem ähnlichen Berufsfeld kommt für die Beratung zusammen (zB Führungskräfte unterschiedlicher Firmen). Sie kommen nicht aus derselben Firma, haben aber ähnliche Erfahrungen und Herausforderungen.
  • Fallsupervision: Inhalt sind hier der Erfahrungsaustausch und die Qualitätssicherung. Wird meist bei PsychotherapeutInnen und SozialarbeiterInnen angewendet, die sich im Rahmen dessen zu KlientInnen austauschen und Betriebsblindheit vermeiden wollen.

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Was braucht man für eine (erfolgreiche) Supervision?

Wichtig ist zunächst, dass Du, je nachdem, in welchen Bereich Du gehen möchtest, als BeraterIn ggf. über eine entsprechende Ausbildung oder Weiterbildung aus dem Bereich Supervision/Coaching/Mediation verfügst.

Dann solltest Du mit dem oder der AuftraggeberIn die Details des Auftrags genau abklären:

  • Was ist das Thema, das bearbeitet werden soll?
  • Welches Ziel verfolgt der oder die AuftraggeberIn?
  • Wo, wie oft und über welchen Zeitraum findet die Beratung statt?

Außerdem ist wichtig zu beachten, dass eine Supervision freiwillig ist und alle Beteiligten offen dafür sein sollten. Eine solche Beratung ist darüber hinaus – außer es wurde anders festgelegt – vertraulich. Du solltest die TeilnehmerInnen hierüber zu Beginn transparent aufklären.

Wie läuft eine Supervision ab?

Zunächst klärst Du, was das Problem in der Firma ist und entscheidest auf Basis dessen, welche Supervisionsform am besten geeignet ist.

Die eigentlichen Supervisionen laufen meistens in fünf Schritten ab:

  1. Regeln aufstellen: Sich gegenseitig ausreden lassen, Respekt im Umgang, Anhören aller Meinungen, Verschwiegenheit über das in der Supervision Besprochene – zu Beginn des Gesprächs sollten Regeln festgehalten werden, an die sich alle Beteiligten während des gesamten Prozesses halten.
  2. Das Ziel benennen: Warum wird die Supervision überhaupt durchgeführt? Kläre die Beteiligten über Grund und Ziel des Gesprächs auf.
  3. Das eigentliche Gespräch: Nun geht es in die praktische Umsetzung. Du arbeitest mit der Einzelperson oder der Gruppe an dem vorher festgelegten Thema. Fragen werden gestellt, das Brainstorming durchgeführt und alle Gedanken angehört.
  4. Lösung finden: Nun geht es darum, dass die Beteiligten gemeinsam eine Lösung für sich finden. Meist geschieht das bereits im Rahmen von Punkt 3. Gegebenenfalls musst Du als SupervisorIn das Gespräch jedoch etwas lenken, damit eine Lösung gefunden werden kann.
  5. Reflexion: Am Ende der Supervision geht es darum, diese Revue passieren zu lassen: Was nehmen die TeilnehmerInnen mit? Was ist gut gelaufen? Was hätte besser laufen können?

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Mit welchen Methoden arbeiten SupervisorInnen?

Als SupervisorIn hältst Du keinen steifen Vortrag, sondern solltest für ein lockeres Gespräch sorgen, das Du moderierst.

Du kannst offene, aber auch ganz konkrete Fragen stellen und Methoden wie das Brainstorming, Vier-Seiten-Modell, Reframing, Aufstellungen oder die Transaktionsanalyse anwenden. Auch die gewaltfreie Kommunikation kann im gesamten Prozess hilfreich sein, um der Entwicklung einer Lösung sinnvoll näherzukommen.

Solche Methoden werden oft auch beim Coaching verwendet.

Supervision, Coaching, Mediation – alles dasselbe?

Die drei Begriffe werden oft synonym verwendet, sind aber nicht hundertprozentig das Gleiche. Dabei sind vor allem Coaching und Supervision nicht leicht voneinander zu trennen.

Eine Mediation wird beispielsweise nur bei Konflikten genutzt und kommt oft zur Anwendung, wenn interne Streitschlichtungs-Versuche nichts gebracht haben.

Die Supervision dreht sich hauptsächlich um berufliche Themen und das berufliche Handeln an sich. Fragen wie “Wie kann ich meinen Job gut machen?“ und “Wie kann ich meine berufliche Rolle gut ausfüllen?” stehen im Vordergrund. Es geht um Arbeitsprozesse und die eigene berufliche Rolle. Das berufliche Handeln und Tun wird reflektiert. Daher sollten SupervisorInnen sich am besten auch in der jeweiligen Branche auskennen. Eine spezifische Ausbildung ist nicht vorgesehen. So könnten z. B. UnternehmensberaterInnen eine Supervision für andere BeraterInnen machen.

Ein Coaching fokussiert sich eher auf persönliche Belange bzw. psychosoziale Themen, auch im Berufsalltag. Hier unterstützen Coaches zum Beispiel bei Fragen zur Selbstorganisation bei der Arbeit oder wie die eigene Karriere gestaltet werden soll. Ein Coaching ist meist frei von festgelegten Zielen und daher sehr ergebnisoffen.

Insgesamt überschneiden sich die Felder aber sehr stark (mit Ausnahme der Mediation). Auch die verwendeten Methoden sind einander recht ähnlich.

Für Coaching und Mediation gibt es eigene Ausbildungen bzw. Weiterbildungen, manchmal werden auch Ausbildungen angeboten, die z. B. Supervision und Coaching verbinden.

Was Supervision, Coaching und Mediation gemeinsam haben, ist, dass Du als Coach bzw. BeraterIn keine Lösung vorgibst, sondern den Beteiligten dabei hilfst, selbst eine Lösung zu erarbeiten.

AutorIn Info

AutorIn: Mario Habenbacher

Mario Habenbacher

CMO, Co-Founder, appointmed GmbH

Neben seinem Engagement für diverse medizinische Gesellschaften (EUROSPINE, EFNR, spine.at), hat Mario mehrere Jahre Erfahrung im Brand Management der Österreich Werbung gesammelt.