Erfolgreich als Psychotherapeutin (mit Angela Laimer)

Angela Laimer spricht über ihren mutigen Quereinstieg von der Wirtschaft in die Psychotherapie und den Weg in die erfolgreiche Selbstständigkeit. Sie teilt ehrliche Einblicke in Aufbau, Herausforderungen und Mindset einer eigenen Praxis. Ein inspirierendes Interview für alle, die Veränderung wagen möchten.

Psychotherapeutin Angela Laimer

Mut zur Veränderung

In dieser Folge sprechen wir mit Psychotherapeutin Angela Laimer, die ihren beruflichen Weg mit beeindruckender Konsequenz, Offenheit und Leidenschaft gestaltet hat. Vom Quereinstieg aus der Wirtschaft über herausfordernde Anfangsjahre bis hin zu einer gut etablierten eigenen Praxis erzählt sie, wie Mut, Geduld und ein starkes Netzwerk sie getragen haben.

Angela gibt Einblicke in ihren Praxisalltag, ihre Spezialisierungen, ihre persönliche Haltung gegenüber Veränderung und Erfolg sowie die Bedeutung von lebenslangem Lernen im therapeutischen Beruf. Ein inspirierendes Gespräch für alle, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchten und einen ehrlichen Einblick in die Realität psychotherapeutischer Arbeit suchen.

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Angela, Du vereinst viele spannende Rollen miteinander. Erzähle uns bitte mehr darüber, wie Du zu Deinem Beruf gekommen bist!

Das ist eigentlich eine längere Geschichte. Ich komme ursprünglich aus der Wirtschaft und habe 23 Jahre im Bankenbereich gearbeitet – vom Controlling über den Personalbereich bis hin zu einer globalen Führungsposition, in der ich für Personal in Österreich und Osteuropa verantwortlich war. Parallel dazu habe ich mich immer weitergebildet. Vor vielen Jahren habe ich eine Coaching-Ausbildung gemacht, später eine Trainerausbildung, die mir gerade in meiner Führungsrolle sehr geholfen hat.

Mit zunehmender Führungserfahrung hatte ich aber irgendwann das Gefühl: Das ist nicht ganz meins. Ich möchte stärker in die Beratung gehen.

Von Psychotherapie war da noch gar keine Rede. Erst im letzten Teil einer Zusatzausbildung zur Supervisorin ging es um psychische Erkrankungen – und an diesem Wochenende hat es mich total geflasht. Ich wusste plötzlich: Das ist es. Das will ich machen. Zwei Wochen später saß ich dann auch schon im Propädeutikum, dem ersten Teil der Psychotherapieausbildung. Da bin ich durchmarschiert – und ja, hier bin ich jetzt.

Kannst Du Dich noch an den Moment erinnern, an dem der Weg Richtung Psychotherapie klar wurde?

Menschen standen für mich immer schon im Vordergrund – damals in meinen beruflichen Tätigkeiten genauso wie heute in der Psychotherapie. Ich war immer ein Teamplayer, und später als Führungskraft war es mir besonders wichtig, dass wir im Team menschlich miteinander umgehen. Das hat mich schon damals in diese Richtung gebracht. Ich war immer jemand, der gerne unterstützt und begleitet, ohne etwas vorzuschreiben oder belehrend zu sein, sondern wirklich unterstützend und wertschätzend dem Menschen gegenüber.

In der Ausbildung ging es dann um psychische Erkrankungen. Da habe ich mir gedacht: In meinem Umfeld fallen mir sicher zwei, drei Personen ein, die in die eine oder andere Richtung betroffen sein könnten. Und als Coach kann und darf ich ihnen in solchen Fällen nicht mehr weiterhelfen. Das war für mich der ausschlaggebende Moment: Das mache ich jetzt – und das ziehe ich durch.

Das heißt, du hast Deine Zusatzausbildung parallel zum Job gemacht. Das ist ja durchaus herausfordernd, vor allem mit einem Vollzeitjob und viel Verantwortung. Wie war das damals für Dich?

Ja, das war schon eine Herausforderung – vor allem, weil ich ja auch zwei Kinder habe. Heute sind sie erwachsen, und ich bin unheimlich stolz auf sie. Seit einem Jahr bin ich sogar Oma. Die Ausbildungen konnte ich damals nur machen, wenn sie am Wochenende stattfanden oder wenn ich mir dafür Urlaub nehmen konnte. Anders war es schlicht nicht möglich. Ein mehrmonatiges Praktikum wäre undenkbar gewesen.

Das ging erst später, als ich mich umorientiert habe, mehr ins Coaching gegangen bin und schließlich in die Selbstständigkeit. Da konnte ich die vielen Praktika, die ich absolvieren musste – für die Lebens- und Sozialberatung, fürs Propädeutikum und später für das Fachspezifikum in der Psychotherapie – überhaupt erst unterbringen. Neben einem Vollzeitjob wäre das niemals machbar gewesen. Aber Wochenendseminare, also Blockveranstaltungen, die haben gut funktioniert.

Hattest Du damals die Möglichkeit, parallel zu Job, Ausbildung und Praktika auch schon die ersten KlientInnen zu betreuen?

Nein, das hat sich sehr langsam aufgebaut. In der Psychotherapie ist es ja so, dass man eine bestimmte Anzahl an Therapiestunden machen und dokumentieren muss, um das Fachspezifikum abzuschließen. Das bedeutet, ich musste in kleineren Institutionen arbeiten und dort Psychotherapie für Menschen anbieten, die sich einen voll privat finanzierten Platz nicht leisten können. Das habe ich gemacht – und dadurch habe ich mir zugleich ein neues Netzwerk aufgebaut: viele Kolleginnen und Kollegen, gute Kontakte zu ÄrztInnen und PsychiaterInnen.

So hat sich das Ganze Schritt für Schritt weiterentwickelt. Mein Lehrtherapeut hat einmal zu mir gesagt:

Wenn sich der erste Patient über eine Weiterempfehlung bei dir meldet, dann hast du es geschafft.

Und genauso war es dann auch.

Erinnerst Du Dich noch an Feedback von KlientInnen, denen Du empfohlen wurdest? Oder ein Beispiel dafür, warum KlientInnen gerade zu Dir kommen?

Ich frage nie nach, wer mich weiterempfohlen hat. Aber ich stelle immer die gleiche Frage: „Warum gerade ich?“ Und meistens höre ich dann: „Meiner Freundin haben Sie so gut geholfen“, „Meine Bekannte hat sich so positiv verändert“ oder „Meine Freundin hat ihre Ängste verloren.“ Das sind genau die Rückmeldungen, die mich in meiner Tätigkeit bestärken – Menschen Unterstützung anzubieten und sie auf ihrem Weg zu begleiten, egal in welche Richtung dieser führt.

Das spricht für Deine Kompetenz und Deinen Erfolg. Es muss schön sein, so ein Feedback zu hören, oder?

Ja, absolut. Denn wir Psychotherapeutinnen und -therapeuten bekommen im Grunde genommen kaum Feedback. Wenn Patientinnen oder Patienten eine Zeit lang kommen und dann plötzlich nicht mehr, wissen wir ja nicht, was passiert ist. Hat sich etwas verbessert? Verschlechtert? Wir tappen da oft ein wenig im Dunkeln.

Deshalb freue ich mich umso mehr über solche Rückmeldungen – sei es durch Weiterempfehlungen oder auch im psychosomatischen Zentrum in Gars am Kamp. Dort gibt es die Möglichkeit, Feedback-Karten an die Geschäftsführung zu geben, und die sammle ich alle.

Es ist jedes Mal schön, nach sechs Wochen oder länger ein paar Worte von den Menschen zu bekommen, die ich begleiten durfte.

Wie viel Zeit ist vergangen, zwischen dem Abschluss Deiner ersten Fachausbildungen und dem Moment, an dem Du schließlich in Deiner eigenen Praxis selbstständig warst?

Bis zur vollständigen Selbstständigkeit in meiner eigenen Praxis – also so, dass ich wirklich davon leben konnte – hat es ungefähr drei Jahre gedauert. Der finanzielle Aspekt ist dabei natürlich ein großer: Die Ausbildung dauert lange und ist sehr kostenintensiv.

Ab dem Zeitpunkt, an dem man arbeiten darf – das ist der sogenannte „Status“ in der Psychotherapie, also die Phase kurz vor dem Abschluss, in der man bereits unter Supervision mit Patientinnen und Patienten arbeitet – dauert es dann in der Regel zwei bis drei Jahre, bis man wirklich vollständig selbstständig davon leben kann.

Manche machen sich komplett selbstständig, andere bauen lieber parallel zu einem Angestelltenverhältnis Schritt für Schritt etwas auf. Wie war das bei Dir?

Ich hatte in meiner intensivsten Zeit tatsächlich drei Jobs gleichzeitig. Ich war überall Teilzeit beschäftigt: ein Controller-Job, ein Job im Projektmanagement und die Psychotherapie. Das war für mich die herausforderndste Phase, weil ich von der Selbstständigkeit noch nicht zu hundert Prozent leben konnte. Gleichzeitig musste ich meine Praxis aufbauen – und das ist ja ebenfalls mit Investitionen verbunden.

Nach und nach habe ich dann einen Teilzeitjob nach dem anderen gekündigt und immer mehr darauf geachtet, dass die Praxis in den Vordergrund rückt. Bis ich schließlich – das ist jetzt schon einige Jahre her – sagen konnte: Jetzt passt es. Jetzt kann ich mit der Tätigkeit finanziell gut über die Runden kommen.

Worauf kommt es besonders an, wenn man sich in dieser herausfordernden Phase befindet, um einfach durchzuhalten und diesen Schritt erfolgreich zu meistern?

Im Zuge der Ausbildung und auch freiwillig habe ich sehr viel Selbsterfahrung gemacht – das war schon vor mehr als zehn Jahren. Ich hatte damals einen Trainer und Mentor, der gesagt hat:

Veränderung kann nur passieren, wenn wir ein Risiko eingehen. Ein Tag ohne Risiko ist ein verlorener Tag.

Um eine solche Veränderung umzusetzen, braucht es vor allem Mut und Geduld. Dieses Mut- und Geduld-Gefühl war für mich ausschlaggebend, um zu sagen: Das mache ich jetzt einfach. Ich habe nie gezweifelt, aus meinem sicheren, gut dotierten Job auszusteigen, obwohl viele Kolleginnen gesagt haben: „Wow, du traust Dich in dem Alter, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.“ Für mich war immer klar: Das schaffe ich – das geht. Es war keine Angst, sondern nur Zuversicht.

Wie kann man sich so eine Haltung aneignen? Kommt das durch Selbstreflexion, durch Wissen um die eigenen Stärken und Fähigkeiten, die man bereits aufgebaut hat?

Ja, genau. Da haben mir auch meine Kinder vor vielen Jahren einen wichtigen Impuls gegeben. Sie haben gesagt: „Mama, warum gehst Du nicht in so eine Beratung?“ Mein Sohn meinte damals: „Das wär doch der Job für Dich, Mama.“ Anfangs habe ich das noch etwas belächelt. Aber je älter sie wurden, desto mehr habe ich gemerkt, dass Jugendliche oft recht haben – sie sagen, was sie denken.

Eine entscheidende Erfahrung war dann eine ganz liebe Freundin, die eine schwere Krebserkrankung hatte und die ich begleiten konnte. Sie hat mir gesagt, dass ihr die Art und Weise geholfen hat, wie ich sie begleitet habe – nicht ins Negative zu gehen, sondern immer das Positive zu sehen. Das hat mir gezeigt: Das ist der Job für mich. Und seitdem weiß ich, dass ich gar nichts anderes mehr machen möchte – das ist wirklich mein Weg.

Als selbstständige Therapeutin musst Du Dich auch um Administration, Steuern, Marketing und vieles mehr kümmern. Wie hast Du es geschafft, das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich traue mich das fast gar nicht laut zu sagen: Ich habe meine Selbstständigkeit begonnen, indem ich Rechnungen in Word geschrieben habe – mit Serienbrieftechnik, damit ich auf Namen und Adressen zugreifen konnte. In Excel habe ich dann eine Liste geführt, welche Rechnung ich wann ausgeschickt habe und wann sie bezahlt wurde. In einer Zeit, in der es längst moderne Tools gibt, stellen sich da vielen wahrscheinlich die Haare auf.

Relativ schnell bin ich dann aber auf appointmed gestoßen – und damit wurde alles so viel leichter.

Die Klientinnen und Klienten sind dort hinterlegt, und mit zwei Mausklicks habe ich eine fertige Rechnung. Steuerlich mache ich alles selbst, weil ich aus der Wirtschaft komme und da viel Erfahrung habe. Mit appointmed ist es noch einfacher: Ich kann meine Termine verwalten, Umsätze mit einem Klick auswerten – das ist überhaupt nicht mehr vergleichbar mit meinem ersten Jahr, in dem ich mit Excel und Word herum getan habe. Das war eben mein Anfang.

Hat Dir Dein wirtschaftlicher Background bei diesen ganzen unternehmerischen Themen der eigenen Praxis geholfen?

Ja, auf jeden Fall. Ich kenne viele Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die sich damit schwer tun, weil sie in dem Bereich einfach keinen Zugang haben. Wenn man diese Erfahrung oder ein Basiswissen nicht mitbringt – und Steuerthemen ändern sich ja laufend – dann ist es wirklich sinnvoll, sich Unterstützung von einer Steuerberatung zu holen.

Dazu kommt noch das Mindset: Man ist ja als UnternehmerIn auch dafür verantwortlich, Ziele zu erreichen, damit am Ende alle Rechnungen bezahlt werden können – neben der eigentlichen Berufung, die einem Spaß macht. Gerade am Anfang ist einem das oft nicht so bewusst, aber man muss sich mit diesen Themen auseinandersetzen.

In der Psychotherapie ist es zum Glück so, dass wir nicht umsatzsteuerpflichtig sind – das nimmt viel Druck heraus. Im Coaching hingegen ist man sehr wohl bis zu einem gewissen Rahmen umsatzsteuerpflichtig. Und da muss ich ehrlich sagen: In so einem Bereich würde ich die steuerlichen Dinge ziemlich sicher an eine Steuerberatung abgeben, weil mir das sonst zu stressig wäre.

Hast Du Dich gleich zu Beginn in Praxisräume eingemietet, oder hattest Du bereits Räume, in denen du arbeiten konntest?

Begonnen habe ich gemeinsam mit einer Ausbildungskollegin. Wir haben uns in eine kleine Praxis eingemietet, in der wir zu dritt waren, und ich war dort zwei bis drei Tage pro Woche. Später habe ich aber gemerkt, dass mich diese begrenzten Tage einschränken. Manche Klientinnen und Klienten können nur an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Uhrzeiten – und ich wollte flexibler sein.

Deshalb habe ich mich nach eigenen Räumlichkeiten umgesehen. Jetzt, in meiner eigenen Praxis, kann ich viel freier gestalten. Abgesehen von den Tagen, an denen ich nicht in Wien bin, sondern in Gars am Kamp, bin ich zeitlich sehr flexibel. Das bedeutet mir viel, weil ich nicht jedes Mal fragen muss, ob ein Raum noch zwei Stunden frei ist. Diese Freiheit habe ich heute – und das schätze ich sehr.

Hast Du über die Jahre bemerkt, dass die Nachfrage nach niederschwelligen Online-Therapieangeboten gestiegen ist?

Ja, definitiv. Durch Corona hat sich da sehr viel verändert. Es ist interessant zu sehen, dass viele Klientinnen und Klienten ins Ausland gehen – für ein Auslandssemester, zum Auswandern oder aus beruflichen Gründen – und die Therapie trotzdem weiterführen möchten. Ich habe Patientinnen und Patienten online in den USA betreut, in Brüssel, London, Prag oder auch einfach in Linz.

Online-Angebote etablieren sich langsam als zusätzliches Tool.

Man kann Menschen auf diese Weise gut unterstützen. Gleichzeitig stoße ich in der Psychotherapie aber auch an Grenzen – vor allem, weil die integrative Gestalttherapie, aus der ich komme, eine sehr kreative Therapieform ist. Da arbeitet man viel mit Materialien am Tisch, mit Kärtchen, Aufstellungen oder dem leeren Stuhl. Das lässt sich online nur schwer umsetzen.

Trotzdem finde ich Online-Sitzungen – besonders in Notsituationen – ein großartiges Instrument. Man kann sehr schnell reagieren und jemanden kurzfristig unterstützen.

Wie strukturierst Du Deinen Arbeitsalltag heute? Also die Gespräche mit Klientinnen, die organisatorischen Themen, aber auch Dinge wie Akquise. Hast Du da eine feste Struktur gefunden?

Jein, würde ich sagen – ganz ehrlich. Die Verwaltung rund um KlientInnen und PatientInnen erledige ich meistens noch am selben Tag. Wenn ich meine Termine hatte, setze ich mich am Abend hin, mache die Abrechnungen, lege neue KlientInnen an oder ergänze Dokumente. Das Organisatorische erledige ich wirklich zeitnah.

Akquise in dem Sinne mache ich aber eigentlich nicht. Ich habe mittlerweile einen stabilen Pool an Klientinnen und Klienten, die in sehr unterschiedlichen Intervallen kommen: wöchentlich, alle 14 Tage, einmal im Monat – bei Paaren genauso. Marketing betreibe ich derzeit bewusst nicht. Einen Podcast oder Ähnliches habe ich mir noch gar nicht wirklich überlegt, und momentan hätte ich dafür auch gar keine Zeit. Aber für die Zukunft sehe ich solche Tools auf jeden Fall als Möglichkeit, die viele Kolleginnen und Kollegen bereits erfolgreich nutzen.

Gerade weil mentale Gesundheit immer präsenter wird und das Angebot erfreulicherweise wächst, wird es künftig bestimmt wichtiger sein, mit dem eigenen USP sichtbarer zu werden.

Damit nicht nur Klientinnen kommen, sondern vor allem die passenden Klientinnen, die wirklich zu einem finden sollen.

Was sind Deine USPs?

Da unterscheide ich klar zwischen Beratung und Psychotherapie. In der Beratung arbeite ich sehr zielorientiert. Wir vereinbaren ein Ziel, und an diesem orientiere ich mich dann im gesamten Prozess.

In der Psychotherapie gibt es ebenfalls Ziele, aber da würde ich eher sagen, dass ich ein sehr großes Spektrum an Methoden und Möglichkeiten mitbringe – eine Art große „Werkzeugkiste“, aus der sich jede und jeder das herausnehmen kann, was gerade gebraucht wird. In Krisensituationen ist das übrigens erst einmal zweitrangig – da geht es vor allem darum, die Person zu stabilisieren, bevor wir weiterarbeiten können.

Diese Zielorientierung fließt teilweise auch in die Psychotherapie ein, ist dort aber weniger dominierend. Denn oft tauchen Themen auf, die mit dem ursprünglich formulierten Ziel gar nichts zu tun haben, aber im Moment einfach präsent sind – und dann haben sie Vorrang. Krisen sind für mich immer Dinge, die vorrangig bearbeitet werden müssen, und darauf reagiere ich flexibel.

Man findet Dich unter lebensbereiche.at: War es Deine Idee, Dich mit diesem Namen zu präsentieren? Was hat Dich dazu inspiriert?

Ich habe wirklich lange überlegt, welchen Namen ich wählen möchte, und habe mich überraschend früh entschieden – sogar noch zu der Zeit, als ich im Bankenbereich tätig war. Für mich war immer klar, dass Menschen mit all ihren Themen zu mir kommen: Probleme in der Partnerschaft, Herausforderungen im Job, schwierige Entscheidungen, familiäre Themen oder auch finanzielle Belastungen. All diese Themen sind im Grunde unterschiedliche Bereiche unseres Lebens, die uns beschäftigen und beeinflussen.

So ist der Name „Lebensbereiche“ entstanden. Durch die Psychotherapie hat sich dieses Konzept dann zu einem sehr stimmigen, runden Gesamtbild entwickelt. Genau deshalb gibt es auch dieses runde Logo mit den verschiedenen Segmenten – Coaching, Therapie und Supervision – die zusammen ein Ganzes ergeben.

Was bedeutet beruflicher Erfolg für Dich persönlich?

Für mich ist beruflicher Erfolg, wenn man seinen Träumen folgen und sie tatsächlich in die Realität bringen kann. Das ist für mich persönlich das Größte.

Und wenn dann auch noch das Feedback der Klientinnen und Patienten dazukommt – dass ihnen die Zusammenarbeit so viel geholfen hat, dass sie etwas Wichtiges gelernt haben oder dass sie sich innerhalb von sechs Wochen spürbar verändert haben – dann sieht man einfach, wie Menschen anders hinausgehen, als sie gekommen sind.

Das ist für mich Erfolg. Das Finanzielle steht dabei gar nicht im Vordergrund. Für mich geht es viel mehr um den Menschen selbst. Dieses Gefühl, jemanden wirklich auf seinem Weg unterstützen zu können, ist das, was mich antreibt, weiterzumachen.

Gibt es etwas, das Du – rückblickend betrachtet – anders machen würdest, wenn Du Deinen Weg Revue passieren lässt?

Ehrlich gesagt nein. Ich habe meine Entscheidungen immer mit bestem Wissen und Gewissen getroffen – auch wenn mir zu manchen Zeitpunkten vielleicht nicht alle Informationen zur Verfügung standen. In dem Moment war es jedoch jeweils die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Ich blicke da überhaupt nicht mit Bedauern zurück. Das Leben besteht auch aus den Handlungen und Wegen, die wir einschlagen. Und die Entscheidung, in die Psychotherapie zu gehen, war rückblickend eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Welchen Rat würdest Du jemandem geben, der gerade selbst an einem Wendepunkt steht und eine wichtige berufliche Entscheidung treffen muss?

Ich würde zuerst fragen: Was sind Deine Träume? Wohin möchtest Du wirklich gehen? Denn ich glaube, dass Herz und Verstand gemeinsam ein guter Kompass sind. Viele Klientinnen und Klienten kommen zu mir, weil sie zwischen zwei Jobs oder Möglichkeiten hin- und hergerissen sind. Der eine bietet bestimmte Vorteile, der andere fühlt sich vielleicht spannender oder richtiger an – und sie können sich schwer entscheiden.

Da versuche ich immer, auch das Bauchgefühl einzubeziehen. Nicht nur rational zu überlegen, sondern auch auf die Emotion zu hören, die ebenfalls eine Stimme hat und wahrgenommen werden will. Und genau das ist es auch, was ich weitergeben würde: Entscheidungen nicht nur kognitiv treffen, sondern Herz, Bauch und Verstand zusammenspielen lassen.

Lohnt es sich ein gutes Netzwerk zu haben, um gemeinsam zu reflektieren und sich Unterstützung zu holen?

Ja, absolut. Ein starkes Netzwerk ist enorm wertvoll. Man sollte sich das wirklich bewusst aufbauen – nicht nur mit AusbildungskollegInnen, sondern auch darüber hinaus. Durch verschiedene Gruppen, Weiterbildungen oder die Selbsterfahrung lernt man viele Menschen kennen, die ähnlich denken oder einen ähnlichen Ansatz verfolgen. Ein solches Netzwerk gibt Halt, Inspiration und die Möglichkeit, jederzeit auf verlässliche Personen zurückzugreifen, wenn man Unterstützung braucht.

Welche Vorteile hat ein gut aufgebautes, vielleicht auch interdisziplinäres Netzwerk?

Ein großes Netzwerk gibt vor allem Sicherheit. Gerade am Anfang, wenn man sich selbstständig macht, ist vieles mit Unsicherheit verbunden. Da tut es gut, mentale Unterstützung von KollegInnen, ÄrztInnen oder FreundInnen zu bekommen. Ohne Netzwerk trägt man die gesamte Last allein auf den Schultern, und das kann sehr belastend sein. Aber wenn man sich austauschen kann – etwa darüber, wie andere ihre ersten Schritte in der eigenen Praxis gemacht haben, worauf sie geachtet haben oder welche Stolpersteine es gab – dann erleichtert das enorm den Einstieg. Dieser Austausch hilft, Herausforderungen besser einzuordnen, offene Fragen zu klären und mit einem sichereren Gefühl weiterzugehen.

Wie schaffst Du es, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und die aktuellen Entwicklungen aus Forschung und Praxis zu verfolgen?

Einerseits sind wir Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verpflichtet, uns regelmäßig weiterzubilden und innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine festgelegte Anzahl an Fortbildungsstunden zu absolvieren. Andererseits bin ich selbst ein sehr neugieriger Mensch. Noch bevor ich überhaupt mit meiner Fachausbildung fertig war, saß ich bereits in Seminaren zur Paar- und Sexualtherapie und habe mir damit ein zweites Standbein aufgebaut.

Aktuell befinde ich mich mitten in der dreijährigen Ausbildung im Bereich Somatic Experiencing, einer traumatherapeutischen Methode. Trauma ist ein großes Thema, das oft hinter anderen Symptomen wie Angst oder Depression verborgen liegt. Viele Behandlungen konzentrieren sich auf diese sichtbaren Symptome und übersehen, dass im Kern häufig ein unverarbeitetes Trauma steht. Deshalb war es mir wichtig, mich genau in diesem Bereich weiterzuentwickeln.

Ich denke, ein gewisses Maß an Neugier und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen sind für diesen Beruf einfach unverzichtbar.

Bei all den Fortbildungen, Deiner Praxis und Deinem Privatleben: Wie findest Du Zeit für Selbstfürsorge und dafür, Deine Batterien wieder aufzuladen?

Für mich ist mein Garten meine wichtigste Kraftquelle. Das klingt vielleicht simpel, aber Gartenarbeit hat für mich etwas Meditatives. Beim Arbeiten mit der Erde, beim Jäten oder beim Ernten komme ich ganz zu mir. Dieses „in der Erde wühlen“ erdet mich im wahrsten Sinne des Wortes.

Und natürlich spielt auch meine Familie eine zentrale Rolle. Mein Partner, meine Kinder und mein familiäres Umfeld sind für mich eine große Energiequelle. Diese beiden Bereiche – Garten und Familie – helfen mir, meine Batterien regelmäßig aufzuladen und im Gleichgewicht zu bleiben.

Gibt es zum Abschluss noch ein Thema, das Du angehende TherapeutInnen mit auf den Weg geben möchtest?

Ja, ein Aspekt ist mir besonders wichtig: Die Entscheidung, eine so lange und im Grunde lebenslange Ausbildung zu beginnen, ist keine leichte. Aber wenn man dafür brennt und wirklich darin seine Berufung sieht, dann ist es aus meiner Sicht die beste Entscheidung, die man treffen kann.

Natürlich gibt es Phasen, in denen es nicht so rund läuft – Monate, in denen mehrere Patientinnen oder Patienten ihr Abschlussgespräch haben und man sich fragt, wie man die freien Plätze wieder füllen soll. Diese Situationen hatte ich anfangs ebenfalls. Doch anstatt sich auszumalen, was alles nicht funktionieren könnte, hilft es enorm, im Vertrauen zu bleiben und auf das zu schauen, was gut gehen kann.

In solchen Momenten ist ein gutes Netzwerk Gold wert: Kolleginnen, Kollegen, Ärztinnen und Ärzte im Umfeld – Menschen, die an einen denken und einen weiterempfehlen. Und meine Erfahrung ist: Es geht immer weiter. Es gibt Höhen und Tiefen, aber es findet sich immer ein Weg. Das würde ich gerne allen mitgeben, die noch am Anfang stehen.

Wo kann man mehr über Dich und Deine Arbeit erfahren?

Am besten über meine Website lebensbereiche.at. Man findet dort viele Informationen über meine Schwerpunkte, insbesondere Psychotherapie, Paar- und Sexualtherapie sowie Coaching bzw. Lebens- und Sozialberatung. Dort bekommt man einen guten Einblick in meine Arbeit und meine verschiedenen Tätigkeitsbereiche.

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AutorIn Info

AutorIn: Adela Inzinger

Adela Inzinger

Customer Success Specialist, appointmed GmbH

Ursprünglich aus dem HR und Recruiting Bereich kommend, ist Adelas wahre Stärke die persönliche Kommunikation mit Menschen. Sie ist die erste Anlaufstelle für Fragen aller Art und sorgt bei unseren Kunden für einen reibungslosen Ablauf mit appointmed.