Show Notes #6: So finden Dich Deine PatientInnen: Die Do’s und Dont’s der Eigenwerbung als PhysiotherapeutIn

Lesedauer: 6:45 Minuten
Werbung und Marketing als Physiotherapeutin

In dieser Folge dreht sich alles um das Thema Marketing: Werbung, Mundpropaganda, Kooperationen. Also kurz gesagt „wie fülle ich meine Praxis mit PatientInnen?“

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Wie seid ihr an eure ersten PatientInnen gekommen?

Christian: Bei mir was das eigentlich recht einfach. Ich habe mich in eine Gemeinschaftspraxis eingemietet, die neben einem Orthopäden war. Der war dann mein erster Zuweiser. Den Kontakt hatte damals mein Kollege hergestellt. Ansonsten waren es PatientInnen aus meinem Bekanntenkreis, über die ich dann durch Mundpropaganda an weitere PatientInnen bekommen bin.

Einige wenige PatientInnen kamen aus dem physikalischen Institut, für eine Anschlussbehandlung nach der Krankenhausbetreuung. Aber die meisten kamen definitiv über Mundpropaganda – schon immer.

Julian: Bei mir, als junger Physiotherapeut, waren es einerseits PatientInnen, die nach der Reha weiterhin Physiotherapie in Anspruch nehmen wollten. Auf der anderen Seite habe ich Zuweisungen über einen Arzt bekommen.

Mein Vater war mein Hauptzuweiser für eine lange Zeit. Inzwischen ist es so, dass ich auch aktiv die Kommunikation zu externen ÄrztInnen suche, die mich zugewiesen haben. Ich habe es am Anfang als Möglichkeit gesehen, meinen PatientInnen Abschlussberichte mitzugeben. Die Ärzte haben das durchaus geschätzt und weitere Zuweisungen waren die Folge.

Es wäre prinzipiell günstig, wenn PhysiotherapeutInnen aktiv den Kontakt zu ÄrztInnen suchen.

Nicht nur um Werbung zu machen, sondern um ernsthaft über PatientInnen zu sprechen und Meinungen kundzutun. Das hebt die Meinung über unser Berufsbild und sorgt für Anerkennung.

Christian: Bei mir war das ähnlich. Aufgrund der Anstellung im Landesklinikum habe ich automatisch Kontakt zu ÄrztInnen. In meiner jetzigen Einzelpraxis habe ich aktiv den Kontakt zu zwei HausärztInnen gesucht, mich vorgestellt und meine Visitenkarte dagelassen. Meiner Erfahrung nach war es immer ein nettes Entgegenkommen, wenn sich ein/e TherapeutIn meldet und persönlich vorbeischaut. Man hat ein wenig über berufliches bzw. fachliches gesprochen, welche Zielgruppen und welche Qualifikationen man mitbringt, damit die ÄrtzInnen wissen, welche PatientInnen sie einem schicken können. Da bleibt man einfach positiv in Erinnerung.

Wie findet man für sich selbst die richtige Zielgruppe? Experimentell oder von Anfang an festlegen?

Julian: Ich finde man sollte nicht zu voreingenommen an die Sache ‚rangehen. Das Praktikum sollte da als Wegweiser dienen, da man dort den Berufsalltag kennen lernen und die Interessen schärfen kann.

Christian: Das denke ich auch. Praktika sind der beste Weg um herauszufinden, welche Zielgruppe einem eigentlich liegt. Aus diesen Erfahrungen wird sich dann später die Richtung ergeben – zumindest war das bei mir so. Bei mir war es schon immer die manuelle Physiotherapie. Kiefer- und KopfschmerzpatientInnen sowie chronische Schmerzsymptome haben sich mit der Zeit aufgetan. Und da ich schon seit 11 Jahren auf der Neurologie arbeite, ist das auch irgendwie an mir hängen geblieben.

Was gehört eurer Meinung nach zu einem professionellen Webauftritt?

Christian: Man sollte eine klar strukturierte, nicht überladene, moderne Website haben. Bei Social-Media bin ich etwas skeptisch, weil es bei mir momentan einfach nicht nötig ist. Alles, was man im Web macht, sei es die Homepage oder in Social-Media präsent zu sein, kostet Zeit. Für mich ist es unbezahlte Zeit und ich denke mir „wenn die Praxis eh läuft, wozu?“

Julian: Ich habe das Gefühl, dass vor allem KollegInnen aus der jüngeren Generation, die in Selbstständigkeit hinein starten, Social-Media als Hauptkommunikationsmittel verwenden. Der Auftritt ist oft progressiv, mit viel Präsenz, mit Videos und anderen Darstellungsmöglichkeiten. Und es ist tatsächlich sehr zeitintensiv.

Es stellt sich immer die Frage: Wem möchte ich mich wie präsentieren?

Für mich persönlich stellt sich da auch die Frage der Notwendigkeit. Ich weiß nicht, ob man über diese Kanäle so viele PatientInnen lukrieren kann und ob das tatsächlich nötig ist.

Olga: Das heißt, ihr habt beide weder Instagram noch Facebook?

Julian: Richtig.

Christian: Ich finde es an uns für sich sehr cool, was einige KollegInnen hier produzieren bzw. posten. Ich unterstütze und like die Beiträge auch, allerdings bin ich persönlich einfach zu wenig affin dafür und mir fehlen die zeitlichen Ressourcen.

Olga: Christian, du hattest vorher gesagt, dass die Website nicht überladen sein sollte. Welche Infos gehören Deiner Meinung nach auf eine Website?

Christian: Die wichtigsten Fakten: Wer ist man. Was macht man. Was für ein Typ Mensch ist man. Der Spirit muss transportiert werden, da es doch auch um die Persönlichkeit hinter dem/der TherapeutIn geht.

Julian: Mir ist aufgefallen, dass bei vielen KollegInnen die ganze Litanei an Aus- und Weiterbildungen aufgelistet ist. Meiner Meinung nach können PatientInnen damit nicht immer etwas anfangen. Darum reicht – so wie Christian sagt – eine Beschreibung dessen, was man machen möchte, was man kann und wer man ist.

Christian: Habe vor kurzem einen Flyer gestaltet und ich glaube ich werde genau diese Infos auf meine Homepage packen; nur etwas interaktiver. Recht viel mehr ist nicht notwendig, da es vor allem der Kontaktaufnahme dient.

Arbeitet ihr auch mit klassischen Werbemitteln wie zB Visitenkarten und Flyern?

Christian: Ja, ich arbeite mit Visitenkarten und Flyern und ich habe mich zusätzlich auf Google Business angemeldet. Das funktioniert recht gut. Ich habe schon einige PatientInnen über dieses Tool lukrieren können.

Olga: Wie aufwendig war die Registrierung bei Google Business?

Christian: Gar nicht aufwendig. Es war innerhalb weniger Minuten erledigt. Das ist kostenlos, allerdings könnte man nach Bedarf ein Package kaufen, um bei der Suchen höher gelistet zu sein.

Julian: Weil Du vorher Visitenkarten erwähnt hast… Ich habe das Gefühl, dass der persönliche Kontakt beim Überreichen dieses Zettels sehr wichtig ist und man so auch ein paar Worte wechseln kann.

Wie wichtig ist euch eine online Buchung auf eurer Website?

Julian:

Ich denke, wenn man ausschließlich selbstständig arbeitet und dadurch relativ viel zu administrieren hat, dann ist die online Buchung ein sehr wichtiges Tool.

Christian: Ich persönlich habe darüber noch gar nicht so intensiv nachgedacht. Ich schätze das persönliche Erstgespräch am Telefon sehr, weil ich darüber schon einen ersten Eindruck über eine Person bekommen und die ersten Infos geben kann. Ich habe dann gedanklich schon einen Weg bzw. die ersten Schritte im Kopf.

Mundpropaganda: Fluch oder Segen?

Christian: Für mich ist die Mundpropaganda eindeutig ein Segen. Das Herumsprechen und die Reputation, die man bekommt – wenn’s ein guter Ruf ist (lacht) – ist natürlich weltklasse.

Julian: Für mich ist es auf jeden Fall auch ein Segen. Ich merke, wie immer wieder PatientInnen zu mir kommen, die mich von Anderen empfohlen bekommen haben. Der persönliche Kontakt und der Eindruck, wie man auf Menschen zugeht, sind einfach Dinge, die man gut weitergeben kann.

Mit was dürfen bzw. sollen TherapeutInnen nicht werben?

Christian: Auf keinen Fall mit hoffnungsvollen Aussagen bezüglich Behandlungserfolg.

Man sollte nichts versprechen, was grundsätzlich niemand im vorhinein wissen kann.

Selbst eine einfache Floskel wie „das wird schon“ geht meiner Meinung nach in die falsche Richtung.

Julian: Außerdem ist jeder verpflichtet auf dem aktuellen Stand des Wissens des Berufs zu therapieren. Die Garantie auf Erfolg und unseriöse Angebote sind schlichtweg nicht erlaubt. Was man außerdem auf keinen Fall machen darf, ist andere schlecht zu machen.

Olga: Darf man mit Vorher-Nachher Bildern von Therapieerfolgen werben?

Julian: Ich denke ja. Ich weiß es allerdings nicht ganz sicher.

Christian: Man kann allgemein mit Bewegung, Sport etc. – also mit evidenzbasierten Aussagen – werben. Bei einem speziellen Krankheitsbild sollte man vorsichtig sein.

Mit wie viel Marketingkosten muss man als selbstständige/r PhysiotherapeutIn pro Monat ca. rechnen?

Christian: Es kommt sicherlich auf die Größe der Praxis an und wie viel Aufwand man betreiben möchte. Bei mir liegen die Ausgaben für das Jahr 2021 bei 500-600 €. Für Flyer, Visitenkarten, Schilder in meinem Ort, Inserate in der Zeitung etc. Für saisonale Social-Media Kampagnen, die über 3-4 Monate laufen, rechne ich mit 200-250 €. Meine Domain kostet rund 60 € im Jahr.

Julian: Wenn man die Homepage selbst erstellt, dann kostet es die Zeit, die man investiert. Wenn man es auslagert, dann sollte man mit Kosten von rund 4000 € rechnen.

Christian: Pro Monat ist es schwierig zu sagen… Es kommt auf die Umstände an und es ist ein „von bis“ möglich. Was ich noch erwähnen möchte:

Es gibt spezielle Marketingkurse für PhysiotherapeutInnen an diversen Kurszentren.

Das ist sicherlich eine feine Sache, die ich irgendwann in Anspruch nehmen werde, um mich in diese Richtung fortzubilden.

Julian: Selbstständige EinzeltherapeutInnen sollten auch hinterfragen, wie hoch der Aufwand ist und ob man mit der Qualität der Behandlung nicht eher bei PatientInnen punkten kann. Wenn man eine gewisse Praxisgröße erreicht und zB andere TherapeutInnen anstellt, dann macht es Sinn sich über eine Auslagerung Gedanken zu machen.

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Alle Episoden

  1. Wer wir sind und wieso wir einen Podcast, speziell für PhysiotherapeutInnen machen
  2. Selbständig machen als PhysiotherapeutIn: Was sind die ersten Schritte?
  3. Welche Behördenwege erwarten mich als selbstständige/r PhysiotherapeuIn?
  4. Eine eigene Praxis oder in die Gemeinschaftspraxis: Was sind die Vor- und Nachteile?
  5. Die Kosten einer Physiotherapie Praxis: Was muss ich investieren und was kann ich verlangen?
  6. So finden Dich Deine PatientInnen: Die Do’s und Dont’s der Eigenwerbung als PhysiotherapeutIn
  7. Anamnese, Therapiebericht, Behandlungsplan,… So geht Dokumentation in der Physiotherapie!

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