Erfolgreich als Osteopath und Yogalehrer (mit Cornelius Feist)

Cornelius erzählt, wie ihn der Weg von der Physiotherapie über die Osteopathie zum Gründer einer Movement-Schule führte. Im Gespräch gibt er Einblicke in seinen Praxisalltag, die Entstehung der Movement Practice Hamburg und die Verbindung von Therapie, Unterricht und Unternehmertum. Inspirierend für alle, die Bewegung, Gesundheit und Selbstständigkeit verbinden wollen.

Erfolgreich als Osteopath und Yogalehrer (mit Cornelius Feist)

Wissen in Bewegung

Diesmal sprechen wir mit Cornelius Feist. Er ist nicht nur Physiotherapeut und Osteopath mit eigener Praxis in Hamburg, sondern auch Movement- und Yoga-Lehrer sowie Ausbildner. Im Gespräch teilt er seinen Werdegang, erzählt, wie er seine Movement-Schule gegründet hat, und gibt wertvolle Einblicke in seine beruflichen Strategien und Business-Hacks, die ihn erfolgreich gemacht haben. Ein inspirierendes Gespräch für alle, die Gesundheit, Bewegung und Unternehmergeist verbinden wollen.

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Cornelius, ich freue mich, dass Du da bist. Erzähl uns doch zu Beginn ein bisschen: Wer bist Du und was machst beruflich?

Ich bin Cornelius Feist, komme ursprünglich aus Hannover und lebe inzwischen in Hamburg. Ich habe eine Physiotherapie-Ausbildung gemacht – allerdings mit dem klaren Ziel, danach Osteopath zu werden. Der Weg war also schon von Anfang an ein bisschen vorgezeichnet. Die Ausbildung in Osteopathie habe ich dann berufsbegleitend über fünf Jahre in Hamburg absolviert, während ich gleichzeitig als Physiotherapeut gearbeitet habe. Im dritten Jahr der Osteopathieausbildung habe ich zusätzlich die Heilpraktikerzulassung erworben, um nach deutschem Recht eigenständig und rechtssicher in der Osteopathie arbeiten zu können.

Parallel dazu sind noch einige Weiterbildungen im Bereich Bewegung und Bewusstsein dazugekommen. Das hat sich ganz organisch entwickelt. So habe ich nach meiner Physiotherapieausbildung auch eine 200-Stunden-Yogalehrerausbildung gemacht, die ich später noch um eine 350-Stunden-Ausbildung zum Yoga- und Meditationslehrer in Hamburg erweitert habe – parallel zur Osteopathie-Ausbildung. Bei mir war also immer viel los, was Weiterbildung angeht.

Die Arbeit als Physiotherapeut im Praxisalltag war dabei sozusagen das „Brot und Wasser“, und drumherum hatte ich einfach viel Lust und Energie, mich weiterzuentwickeln.

Adela: Schön, wie sich diese Disziplinen gegenseitig ergänzen und verbinden. Du hast vorhin gesagt, dass du über die Physiotherapie zur Osteopathie gekommen bist. Mich würde interessieren:

War das etwas, das Du schon immer machen wolltest, oder gab es einen bestimmten Moment, der Dich auf diesen Weg gebracht hat?

Nach dem Abitur wollte ich ursprünglich Humanmedizin studieren und habe mich auch beworben. In der Zwischenzeit habe ich ein freiwilliges wissenschaftliches Jahr an der Medizinischen Hochschule in Hannover gemacht, in einem Labor für Stammzellforschung. Das hätte mir später stark auf den Numerus Clausus angerechnet werden können, ich hätte also nach einem Jahr mit dem Medizinstudium beginnen können.

Während der Zeit im Labor habe ich aber gemerkt, dass mir zwar die Themen gefallen, nicht aber die Art, wie Forschung und medizinische Arbeit organisiert sind. Ich habe gesehen, wie Ärztinnen und Ärzte nach langen Diensten nochmal sechs Stunden an ihrer Dissertation arbeiten, und mich gefragt, ob ich so leben und arbeiten möchte. Für mich fühlte sich das System einfach nicht menschlich an und ich finde es unfassbar, dass das System darauf basiert, dass Menschen so arbeiten müssen und dabei so viel Verantwortung tragen.

Nachdem ich noch ein paar Praktika in niedergelassenen Praxen gemacht habe, um mir ein ganzheitliches Bild zu machen, fiel mir ein, dass meine Tante Osteopathin ist. Ich kannte ihre Praxis aus meiner Kindheit und habe dort immer eine ruhige, fokussierte Atmosphäre erlebt. Ich habe sie gefragt, wie man eigentlich Osteopath wird, durfte bei ihr hospitieren und habe schnell gemerkt, dass auch dieser Weg sehr anspruchsvoll ist – mit einer intensiven Ausbildung und vielen Weiterbildungsmöglichkeiten.

Damals steckte die akademische Ausbildung in der Osteopathie in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Es gab zwar erste Vollzeitstudiengänge, aber viele davon waren noch nicht offiziell anerkannt, weder durch die Hochschulen selbst noch durch die entsprechenden Berufsverbände. Zudem fehlten diesen Studiengängen oft noch die sogenannten Lehrpraxen, also die Möglichkeit, das theoretische Wissen auch praktisch mit echten PatientInnen anzuwenden. Im Grunde bedeutete das, man machte ein Vollzeitstudium, das noch keine staatliche Anerkennung hatte, und musste sich die Praxiserfahrung selbst organisieren – etwa über Freundes- und Bekanntenkreise oder in Vereinen. Für mich fühlte sich das nicht stimmig an, weil genau dieser praktische Teil für mich so wesentlich war.

Deshalb habe ich mich entschieden, zunächst den Weg über die Physiotherapie zu gehen. Mein ursprünglicher Plan war recht einfach: drei Jahre Ausbildung in der Physiotherapie, danach direkt das Osteopathie-Studium. Was mir damals nicht bewusst war: Diese Entscheidung bedeutete am Ende nicht drei, sondern fast acht Jahre, bis ich wirklich als Osteopath arbeiten konnte – mit mehreren Jahren Berufserfahrung dazwischen in einem Feld, das ich ursprünglich gar nicht als mein Ziel gewählt hatte.

Die Physiotherapie hat ihre schönen Seiten, aber auch viele strukturelle und praktische Herausforderungen. Rückblickend war es aber trotzdem der richtige Weg.

Sie hat mir eine unglaublich solide Grundlage gegeben – in der Arbeit mit Menschen, im Verständnis des Körpers, in der klinischen Praxis. Und als ich schließlich meine eigene osteopathische Praxis eröffnen konnte, war das ein großer Moment der Erleichterung. Ich konnte endlich ganz in dem Beruf arbeiten, den ich wirklich ausüben wollte.

Das heißt, Du hast Dich erst nach dem Abschluss deiner Osteopathie-Ausbildung vollständig selbstständig gemacht und hast davor parallel in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet?

Nicht ganz. Ich war schon während meiner Zeit als Physiotherapeut teilselbstständig. und habe in dieser Phase Selbstzahler und PrivatpatientInnen behandelt. Nach und nach habe ich dann den Schritt in die vollständige Selbstständigkeit gemacht.

Das fiel zeitlich mit meiner Heilpraktikerzulassung zusammen, die ich parallel zur Osteopathieausbildung erworben habe. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich komplett selbstständig gemacht – mit einer eigenen Praxis für Physiotherapie und Osteopathie, zunächst noch als Osteopath in Ausbildung. Das Ganze ist also sehr organisch gewachsen, sodass ich am Ende meiner Ausbildung bereits einen vollen Patientenplan hatte und nahtlos in die vollständige osteopathische Tätigkeit übergehen konnte.

Wie sieht Dein Alltag aus? Wie strukturierst Du Deine Woche und wie setzt Du Deine Arbeitsschwerpunkte?

Inzwischen ist mein beruflicher Alltag recht gut strukturiert und viele Abläufe laufen mittlerweile automatisiert, etwa die Terminplanung, das Follow-up oder auch buchhalterische Prozesse – auch durch die Hilfe eures Praxistools.

Meine Praxis ist meine Basis. Ich bin seit vielen Jahren im selben Stadtteil tätig, war zuvor dort auch angestellt und bin über die Zeit richtig in diesem Viertel angekommen. Ich habe nie Werbung geschaltet, sondern die Praxis über gute Sichtbarkeit – etwa durch SEO – und durch die persönliche Vernetzung aufgebaut.

Ich arbeite in Teilzeit in der Praxis, meist mit fünf bis sieben Behandlungen am Tag und einer Stunde Pause dazwischen. Ich würde mich inzwischen als Osteopath in eigener Praxis beschreiben, der nebenbei ein wenig Projektentwicklung betreibt… Zum einen habe ich in meiner Praxis eine Praxisgemeinschaft gegründet. Das heißt, ich vermiete einige Räume und koordiniere die Nutzung – das ist fast ein bisschen wie Raummanagement, wie ein kleiner „Hausmeisterjob“. Zum anderen leite ich gemeinsam mit anderen die Movement-Schule. Dabei handelt es sich um einen größeren Space, bei dem auch Räumlichkeiten vermietet werden und ein Kurssystem angeboten und gepflegt wird. Bei beiden Projekten kümmere ich mich auch um den technischen Hintergrund – die Koordination, funktionierende Integration aller Elemente und darum, dass die Projekte gut positioniert und auffindbar sind.

Rund um meine Praxistätigkeit mache ich viele verschiedene Dinge – aber die eigentliche Arbeit in der Praxis empfinde ich als den ruhigsten, fast schon meditativsten Teil meines Alltags.

Natürlich gibt es in jeder Behandlung Momente intensiver Interaktion, besonders in der Anamnese oder im Gespräch. Aber während der Behandlung selbst wird es oft sehr konzentriert, sehr fokussiert und ruhig. Man kann dabei natürlich sprechen, doch im Kern geht es in dieser Zeit wirklich um die Person auf der Liege – um das Wahrnehmen, Spüren und Arbeiten mit den Händen. Für mich ist das eine stille, sehr präsente Form des Tuns, in der ich meinen Händen und meinem Hirn folgen kann, ohne über irgendetwas anderes nachzudenken.

Es ist zwar energieintensiv, weil man ganz beim Menschen ist, aber gleichzeitig auch der entspannteste Teil meiner Arbeitswoche. Der Rest meiner Tätigkeiten – also alles, was Organisation, Projekte, Kommunikation oder Koordination betrifft – fordert mich auf einer anderen Ebene deutlich stärker. Da geht es oft schneller, ist komplexer und verlangt viel mehr Abstimmung mit anderen. Ich unterrichte eigene Kurse und betreue das Kurssystem meiner Movement-Schule, in dem auch andere LehrerInnen aktiv sind – ich mache das also nicht allein. Dazu kommt die Praxisgemeinschaft, um die ich mich ebenfalls kümmere: um die Räume, die Vermietung, um organisatorische Dinge.

Wenn ich das alles so aufzähle, klingt es viel – und das ist es auch manchmal. Trotzdem habe ich bislang nie das Gefühl gehabt, dass es mich überfordert. Ich bin kein großer To-do-Listen-Mensch; erst letzte Woche habe ich zum ersten Mal tatsächlich eine Liste geschrieben, weil einfach so viele Aufgaben gleichzeitig anstanden. Bisher habe ich alles in meinem Kopf organisiert – natürlich unterstützt durch einen gut gepflegten Kalender. Termine trage ich immer sofort ein, sonst geht’s unter, aber was noch zu tun ist, habe ich bisher meistens im Kopf behalten.

Ich glaube, was mir dabei hilft, ist, dass das alles aus einer sehr klaren inneren Vorstellung heraus entstanden ist. Schon mit Mitte 20 hatte ich die Vision, eine eigene Praxis zu haben – aber ich wollte darin nicht allein arbeiten. Gleichzeitig wollte ich keine Angestellten, weil ich keine klassische Arbeitgeberrolle einnehmen wollte. Ich wollte frei bleiben von dieser Verantwortung, aber dennoch mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Zusammenarbeit macht mir einfach Spaß.

Darum war für mich schnell klar: Eine Praxisgemeinschaft ist das Richtige. Ein Ort, an dem man sich begegnet, voneinander profitiert und Leben in den Räumen ist. Und etwas früher noch hatte ich den Wunsch, eine eigene Movement-Schule zu gründen. Damals steckte das ganze Thema Movement noch in den Kinderschuhen, und ich hatte das Gefühl, ich bin sehr früh bei etwas dabei, das großes Potenzial hat. Ich glaube bis heute fest daran, dass Movement für viele Menschen eine Antwort sein kann – nicht für alle, aber für viele – auf Fragen, die unsere Gesellschaft aktuell kaum beantwortet: Wo dürfen wir einfach Mensch sein? Wo dürfen wir spielen, uns bewegen, ohne dass es gleich wieder um Leistung geht?

In der Movement-Arbeit geht es für mich darum, Bewegungsqualität zu fördern und dadurch Gesundheit zu stärken – aber auf eine spielerische, freiere Art. Nicht aus dem Druck heraus, mehr leisten zu müssen, sondern aus Freude an Bewegung. Ich wusste damals gar nicht, wie man zu einer eigenen Schule kommt – das war nur so eine Idee, eine Vision. Und jetzt, Jahre später, sind beide Dinge Realität geworden: die Praxisgemeinschaft und die Movement-Schule.

Aber das ist nicht aus einem Businessplan heraus entstanden, sondern ganz organisch gewachsen. Ich habe die Kompetenzen, die ich heute brauche, Schritt für Schritt auf dem Weg dorthin erworben. Es hat sich einfach entwickelt, ganz natürlich, und irgendwann hat sich alles zu dem zusammengefügt, was jetzt da ist.

Es klingt so, als sei das alles aus Deiner Leidenschaft heraus entstanden – aus dem Wunsch, etwas zu bewegen und mit echter Begeisterung bei der Sache zu sein.

Ja, absolut. Am Ende gehört dazu auch einfach sehr viel Geduld. Solche Dinge entstehen nicht über Nacht.

Es vergingen insgesamt bestimmt zehn Jahre bis zu dem Punkt, an dem ich wirklich selbstständig war. Diese Jahre waren gefüllt mit Ausbildung und Weiterbildung – und das heißt eben auch, dass für andere Dinge, wie etwa Reisen oder Freizeit, kaum Platz war.

Gerade die Zeit in der Physiotherapie war finanziell nicht besonders einfach, und weil ich so viele Wochenenden in Fortbildungen verbracht habe – meist sogar zwei Dinge gleichzeitig, zum Beispiel Osteopathie und Yoga oder Osteopathie und die Heilpraktiker-Vorbereitung – war ich praktisch ständig in irgendeiner Form in Ausbildung. Wochenenden standen selten zur Verfügung, und ich hatte nie mehr als vielleicht fünf Wochen Urlaub im Jahr. Meine längste Reise bisher war vier Wochen – bis jetzt. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal eine längere Pause gemacht und bin im Sommer ganze sechs Wochen unterwegs gewesen. Darauf habe ich mich schon sehr lange gefreut, und ich habe auch lange darauf hingearbeitet.

Man kann eben nicht alles gleichzeitig haben. Es geht immer darum, Prioritäten zu setzen und sich zu fragen: Wie sehr brenne ich für etwas? Und in welchem Tempo möchte ich Dinge angehen? Man kann den Weg auch langsamer gehen – das ist genauso legitim. Dann dauert es vielleicht zwanzig Jahre statt zehn, aber man hat unterwegs mehr Raum für anderes.

Mich haben meine Themen einfach sehr gepackt. Und wie du vorhin gesagt hast: Es hat sich alles irgendwie in Symbiose entwickelt. Die einzelnen Dinge greifen ineinander, ergänzen sich und bauen aufeinander auf. Viele meiner Tätigkeiten profitieren heute voneinander – auch auf einer fachlichen Ebene. Wenn ich zum Beispiel in unserem Movement Teacher Training Anatomie und Physiologie unterrichte, dann kann ich auf meinen Hintergrund als Yoga-Lehrer zurückgreifen. Ich habe das alles schon einmal aufbereitet, Skripte geschrieben, Strukturen entwickelt und gelernt, wie man Inhalte Menschen vermittelt, die keine medizinische Vorbildung haben. Ich weiß heute, was ich von Teilnehmenden erwarten kann – und was nicht.

Dadurch ist vieles jetzt deutlich einfacher, weil ich auf Erfahrungen zurückgreifen kann, die ich in einem anderen Kontext schon einmal gemacht habe. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde sich alles in Kreisen bewegen – und diese Kreise werden einfach größer. Alles kommt irgendwann wieder, aber auf einer anderen Ebene, etwas weiter entwickelt. So habe ich immer noch das Gefühl, den Überblick zu behalten.

Und trotzdem musste ich letzte Woche zum ersten Mal wirklich eine To-do-Liste schreiben – einfach, weil die Aufgaben jetzt mehr geworden sind. Die Movement-Schule gibt es ja schon seit sieben Jahren, aber mit dem neuen eigenen Space, den wir im Februar eröffnet haben, ist nochmal eine andere Verantwortung dazugekommen – auch finanziell. Das ist kein Projekt, das man einfach von heute auf morgen schließen könnte, ohne dass etwas passiert. Es hat ein anderes Gewicht, eine andere Tragweite.

Das fordert mich natürlich auch auf einer neuen Ebene: Ich muss Dinge stärker durchdenken, kann Aufgaben nicht mehr aufschieben, muss wirklich präsent bleiben. Aber ich habe das Gefühl, dass ich genau jetzt bereit dafür bin – bereit, Projekte dieser Größe gleichzeitig zu tragen und ihnen gerecht zu werden.

Adela: Man hört sehr schön heraus, dass Du jetzt an einem Punkt bist, an dem Du die Früchte Deiner Arbeit erntest – all das, was Du Dir über Jahre aufgebaut hast. Mit deinen Weiterbildungen und Deiner Erfahrung gibst Du heute selbst etwas zurück und schaffst Neues.

Erzähl uns doch bitte: Was ist Movement Practice Hamburg?

Movement entstand in einer Phase, in der ich auch tiefer ins Yoga eingetaucht bin. Ein Freund machte mich damals auf die sogenannte Movement Culture aufmerksam – etwas, das zu der Zeit fast nur online sichtbar war, weil es noch so klein war. Er schickte mir ein paar Videos, und wir haben angefangen, die gezeigten Bewegungen einfach nachzumachen. Als ich das sah, dachte ich sofort: Wow, das ist wie eine Sprache der Bewegung, etwas, das ich innerlich schon lange gespürt hatte.

Ich hatte immer das Gefühl, dass sportartspezifisches Training unseren Körper nur teilweise abbildet.

Wir Menschen sind eigentlich Generalisten – gemacht, um uns anzupassen und vielfältig zu bewegen, nicht nur eine einzelne Disziplin perfekt zu beherrschen. Natürlich können wir hochspezialisiert trainieren, wie etwa im Speerwurf, wo alles auf eine einzige Bewegung hin ausgerichtet ist. Aber diese Spezialisierung hat auch ihren Preis.

Das sehe ich auch bei meinen PatientInnen: Wenn wir immer nur einseitig agieren oder dieselben Muster wiederholen, wird der Körper zwar effizient, aber auch begrenzt. Und genau da hat Movement für mich angesetzt – als freiere, ganzheitlichere Form der Bewegung, die wieder an das erinnert, wofür unser Körper eigentlich gemacht ist.

Adela: Genau, im Alltag brauchen wir eigentlich beide Seiten unseres Körpers, um verschiedene Aufgaben auszuführen.

Exakt. Wir leben ein bisschen in der Illusion, dass unser Körper symmetrisch ist – das stimmt aber gar nicht. Und das ist völlig in Ordnung. Solange der Körper frei funktioniert, kann er Ungleichgewichte sehr gut ausgleichen. Ich sage auch gar nicht, dass Spezialisierung automatisch zu Problemen führt. Aber wer in einer Sache wirklich Spitzenleistung erreichen will, muss dafür enorm viel investieren – und die Lernkurve flacht nach oben hin immer weiter ab.

Im Movement-Ansatz geht es dagegen darum, sich von diesem reinen Leistungsdenken zu lösen. Statt Perfektion in einer Disziplin anzustreben, steht die Vielfalt der Bewegung im Mittelpunkt.

Als ich damit begann, habe ich schnell gemerkt: Beschwerden, die ich vorher hatte, verschwanden einfach, weil ich meinem Körper mehr Abwechslung gegeben habe.

In Hannover habe ich zunächst in einer kleinen Gruppe trainiert, später in Hamburg Anschluss an mehrere bestehende Gruppen gefunden. Schließlich bin ich in einer geblieben – erst als fortgeschrittener Teilnehmer, dann als Freund und schließlich als Partner. Gemeinsam haben wir die Movement Practice Hamburg gegründet – eine Schule für Bewegung, für Bewegungsqualität und menschliche Verbindung. Ein Ort, an dem es ums gemeinsame Bewegen geht, nicht ums Bessersein.

Wen sprecht ihr mit Movement Practice Hamburg an? Und was erwartet mich, wenn ich bei euch mitmache?

Wir bieten geführte Bewegungskurse an – ähnlich wie man es vielleicht aus dem Yoga kennt, nur ohne Matten und mit deutlich mehr Raum. Wir bewegen uns dreidimensional, durch den ganzen Raum, und nutzen ein breites Repertoire an Bewegungsformen.

Das kann spielerisch aus dem Kampfsport entlehnt sein, aus Yoga, funktionellem Training, Mobilitätsarbeit oder Kraftübungen. Manchmal geht es um spezifische Fähigkeiten, manchmal um fließende Bewegungsabläufe – etwa inspiriert von Animal Flow oder Locomotion.

Von außen wirkt das Ganze oft anspruchsvoll, aber tatsächlich ist Movement viel zugänglicher, als viele denken. Es ist fordernd, ja, aber sehr niedrigschwellig. Wir arbeiten mit natürlichen Bewegungen – Dingen, die unser Körper eigentlich kennt, auch wenn sie im Alltag verloren gegangen sind. Jede und jeder kann dabei im eigenen Tempo und mit der eigenen Variante üben. Genau das macht es so offen und inklusiv.

Ist es für Teilnehmende eine Herausforderung, sich von gewohnten Mustern zu lösen und offen, spielerisch in neue Bewegungen hineinzugehen? Ist das etwas, das ihr bewusst fördert?

Absolut. Genau das ist oft der spannendste, aber auch herausforderndste Teil. Für manche ist Movement weniger körperlich, sondern vielmehr emotional oder mental anspruchsvoll – weil man Kontrolle loslässt und Neues ausprobiert.

Im Unterschied zu klassischen Fitnesskursen, wo klare Leistungserwartungen herrschen – etwa „20 Burpees, 15 Liegestütze“ – geht es bei uns nicht um Vergleich oder Perfektion. Wenn jemand in eine tiefe Hocke gehen soll und das nicht kann, ist das völlig in Ordnung. Dann wird die Bewegung angepasst – mit erhobener Ferse, mit Unterstützung der Hände, so wie es für den eigenen Körper passt.

Das Ziel ist nicht, eine „richtige“ Form zu erreichen, sondern Bewegungsqualität zu erfahren. Oft geschieht das in Partnerübungen, die intuitiv sind und keine Technik voraussetzen. So entsteht Lernen über Wahrnehmung und Interaktion – einfach, spielerisch und dennoch unglaublich wirksam.

Adela: Vor allem kann man sich darauf verlassen, dass Du im Kurs Dein therapeutisches Wissen und Deine Erfahrung aus über zehn Jahren Praxis einbringst. Das hebt euch ja deutlich von Angeboten ab, bei denen dieser Hintergrund fehlt.

Ja, das stimmt. Viele unserer Lehrenden bringen ebenfalls viel Erfahrung mit. Zum Beispiel Karam, mein Kollege aus der Praxisgemeinschaft, unterrichtet inzwischen selbst Movement. Egi, mein Partner, hat 15 Jahre Personal-Training-Erfahrung und ist von Anfang an in der Movement Culture aktiv – direkt bei den ersten Entwicklern der Szene wie Ido Portal. Auch Malte bringt umfassende Erfahrung ein.

Aktuell sind wir vier Kernlehrende mit viel Expertise in Körperarbeit, Embodiment und Facilitation. Das ermöglicht eine sehr hohe Lehrqualität und ein Bewusstsein für die Unterschiedlichkeit der Teilnehmenden.

Unsere Kurse richten sich an Erwachsene, aktuell von etwa 23 bis 58 Jahren. Kinder nehmen gelegentlich teil, was problemlos funktioniert – sie brauchen keine spezielle Anleitung, sondern können einfach mitmachen. Auch in unserem Teacher Training, das über ein Jahr geht, haben wir Teilnehmende vom Anfang 20 bis Mitte 50, und das klappt hervorragend.

Ein besonderer Punkt ist die Interaktion: Anders als beim Yoga bewegen wir uns gemeinsam, es entsteht Austausch, Begegnung und oft auch Freundschaften über Generationen hinweg. Das schafft eine ganz besondere Atmosphäre und ist aus meiner Sicht ein sehr wertvoller Aspekt unserer Arbeit.

Du bist ja Gründer vom Therapiezentrum Holon. Was war die Idee dahinter – wie ist das entstanden?

Das Ganze ist eher organisch entstanden. Anfangs hatte ich nur einen kleinen Raum, etwa zwölf Quadratmeter in einer Yogaschule, um meine Selbstständigkeit zu starten. Die Schule musste jedoch überraschend schließen, und ich stand vor der Entscheidung: Räume übernehmen oder neu suchen. Ich habe mich dafür entschieden, die Räume zu übernehmen, Wände eingezogen und daraus schließlich vier Behandlungsräume gemacht.

Mir ging es dabei nie um ein Vermietungsmodell oder einen Business Case. Ich wollte selbstständig bleiben, gleichzeitig aber in Co-Existenz mit anderen Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten. Die Menschen, die heute dort tätig sind, haben sich über die Zeit entwickelt – manche blieben, andere wechselten. Es hat Zeit gebraucht, aber jetzt fühlt sich der Ort gut strukturiert und stimmig an.

Gab es in den letzten Jahren Situationen oder Entscheidungen, an die Du rückblickend anders herangehen würdest? Gibt es etwas, das Du bereust?

Ja, nur eine Sache: Ich habe einmal auf mündliche Aussagen des Finanzamts vertraut und daraufhin Dinge strukturiert, ohne eine schriftliche Bestätigung zu haben. Das war der einzige größere Fehler, und so etwas passiert mir nicht noch einmal, denn Mitarbeitende und Sachbearbeitende ändern sich.

Rückblickend hat mich diese Erfahrung gelehrt, dass Vertrauen allein manchmal nicht ausreicht.

Schriftliche Vereinbarungen mögen unromantisch wirken, schaffen aber Klarheit und Sicherheit für alle Beteiligten. Heute sehe ich sie nicht als Einschränkung, sondern als hilfreiches Instrument, um im Ernstfall Missverständnisse zu vermeiden.

Was ist Deine Definition von Erfolg?

Für mich bedeutet Erfolg, dass ich den aktuellen Zustand so gestaltet habe, dass sich der Moment im Jetzt richtig und stimmig anfühlt.

Es heißt, im Hier und Jetzt gut leben, arbeiten und sein zu können, ohne ständig nach etwas anderem zu streben. Erfolg ist für mich, diesen Zustand zu genießen, ihn auszuhalten und zu schätzen. Und wenn sich etwas irgendwann nicht mehr stimmig anfühlt, passt man an, verändert und geht weiter – immer im Einklang mit dem eigenen Gefühl.

Worauf kommt es an, um in Deinem Feld besonders erfolgreich zu sein?

Eine wichtige Basis ist natürlich die fachliche Kompetenz und der Spaß an dem, was man tut. Wenn man gute Arbeit leistet, wird das immer auf eine Art funktionieren und für Menschen interessant bleiben. Der zweite entscheidende Punkt ist heute die digitale Präsenz – also die Auffindbarkeit der eigenen Arbeit. Wenn man selbst nicht die Kompetenzen oder das Interesse hat, das digital sichtbar zu machen, sollte man sich Unterstützung holen. Ohne diese Sichtbarkeit ist der Aufbau sehr viel langsamer und schwieriger.

Wenn es dann aber einmal läuft, ist die Arbeit in unserem Feld sehr stabil, weil sie systemrelevant ist. Menschen brauchen heute mehr Therapie, mehr Kontakt und mehr Achtsamkeit – gerade weil die Welt um uns herum so schnell und überfordernd geworden ist.

Wo kann man mehr über Dich und Deine Arbeit erfahren?

Am besten auf Instagram – dort findet man mich unter cornelius_motus („Motus“ wie Bewegung). Mehr Informationen zu meiner Praxis gibt es auf osteopath-hamburg.com und alles rund um unsere Bewegungsarbeit auf movementpractice.de – das ist aktuell auch die lebendigste Plattform, auf der mein ganzer Hintergrund zusammenfließt.

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AutorIn Info

AutorIn: Adela Lucaciu

Adela Lucaciu

Customer Success Specialist, appointmed GmbH

Ursprünglich aus dem HR und Recruiting Bereich kommend, ist Adelas wahre Stärke die persönliche Kommunikation mit Menschen. Sie ist die erste Anlaufstelle für Fragen aller Art und sorgt bei unseren Kunden für einen reibungslosen Ablauf mit appointmed.